PUBLISHED DATE: 2026-10-27 04:01:03
DIGITALER EURO: WAS JETZT AUF BANKEN ZUKOMMT
Bereit sein reicht nicht
Der digitale Euro wird zur Bewährungsprobe für Banken. Wer jetzt nur regulatorisch plant, wird später unter Zeitdruck integrieren. Wer jetzt strategisch handelt, gestaltet die nächste Infrastruktur des europäischen Geldes mit.
INHALT
Was Sie erwartet
Ein praxisnaher Leitfaden zum digitalen Euro – was er für Banken bedeutet, wo Wertpotenziale liegen und wie Readiness ohne grundlegenden Neubau der Bankinfrastruktur erreicht werden kann.
- 01 Einführung
Warum der digitale Euro mehr als eine weitere Zahlungsfunktion ist - 02 Drei Werthebel
Wie der digitale Euro Wertpotenziale für Banken schafft - 03 Was Readiness bedeutet
Welche Fähigkeiten Banken jetzt aufbauen müssen - 04 Der Weg zur Readiness
Wie Publicis Sapient identifizierte Lücken gezielt schließen kann - 05 Nächste Schritte
Starten Sie Ihre Digital Euro Readiness
1. Der Beginn eines neuen Zeitalters
Der digitale Euro bedeutet für Banken mehr als nur eine weitere Zahlungsfunktion. Er markiert den Beginn einer neuen Phase der europäischen Geldinfrastruktur.
Als digitale und vertrauenswürdige Form öffentlichen Geldes wird er Bargeld nicht ersetzen, sondern ergänzen. Durch die Einführung entsteht eine europaweite Infrastruktur für sichere, unmittelbare Online- und Offline-Zahlungen. Darauf müssen sich Banken frühzeitig vorbereiten.
Für Banken stellt sich die zentrale Frage, welche Rolle sie im künftigen Digital-Euro-Ökosystem einnehmen wollen. Ob als Distributor auf Kundenseite, als Acquirer auf Händlerseite oder in beiden Rollen, die Entscheidung bestimmt, welche Fähigkeiten benötigt werden und wie weit die bestehende Architektur und das Betriebsmodell angepasst werden müssen. Gleichzeitig gilt es festzulegen, welche Leistungen selbst erbracht werden sollen und wo Partnerschaften oder gemeinsame Plattformen Vorteile bringen. Diese Entscheidung sollten Banken frühzeitig treffen, denn für den Retail Digital Euro sind die nächsten Schritte bereits konkret. Der zwölfmonatige Pilot soll in der zweiten Jahreshälfte 2027 beginnen.
Eine Erstausgabe ist bereits in 2029 möglich, dies ist jedoch vom Gesetzgebungsverfahren abhängig.
Wer frühzeitig handelt, kann mehr erreichen als nur regulatorische Readiness. Banken gewinnen Zeit, den digitalen Euro gezielt in Kundenschnittstelle, Leistungsangebot und bestehende Infrastruktur zu integrieren und die Umsetzung mit laufenden Transformationsvorhaben abzustimmen. Wer dagegen erst unter regulatorischem Zeitdruck reagiert, riskiert höhere Transformationskosten, zusätzliche operative Belastungen und weniger Spielraum für die Umsetzung.
Daraus ergeben sich drei zentrale Werthebel für Banken:
- 01 Kosten- und Effizienzvorteile,
- 02 die Sicherung der Kundenschnittstelle und Marktposition, sowie,
- 03 neue Möglichkeiten im Liquiditäts-Management.
DIGITALER EURO: WAS JETZT AUF BANKEN ZUKOMMT
2. Drei Werthebel des digitalen Euro
Digitales Zentralbankengeld nutzbar machen
Heute sind Banken bei vielen digitalen Zahlungen auf internationale Scheme- und Processing-Anbieter angewiesen. So wurden bereits 2022 rund 61 Prozent der Kartenzahlungen im Euroraum über internationale Kartensysteme abgewickelt. Für deren Nutzung fallen entsprechende Gebühren an. Beim digitalen Euro soll das Eurosystem selbst keine System- und Abwicklungsgebühren erheben. Dadurch können Kosten im Zahlungsverkehr reduziert und die Abhängigkeit von internationalen Zahlungsanbietern verringert werden.
Ein weiteres Kostenpotenzial könnte langfristig bei der Bargeldinfrastruktur entstehen, sofern die Nachfrage nach Bargeld durch die Einführung des digitalen Euro zurückgehen sollte. In diesem Fall könnten Banken bestehende Bargeldprozesse und -infrastruktur schrittweise reduzieren und damit verbundene Kosten senken. Der digitale Euro ersetzt Bargeld dabei nicht, sondern ergänzt es als digitale Form öffentlichen Geldes.
Der digitale Euro entwickelt sich von einer regulatorischen Verpflichtung zu einem Kostenoptimierungs-Hebel.
Schutz der Kundenschnittstelle und Zahlungsverkehrserträge für Banken
Der europäische Zahlungsverkehr ist heute stark von internationalen Anbietern geprägt.
Rund zwei Drittel der Kartentransaktionen im Euroraum werden nach den Geschäftsregeln nicht-europäischer Unternehmen abgewickelt. Der digitale Euro soll Banken die Möglichkeit bieten, ihre Position an der Kundenschnittstelle langfristig zu sichern und einer weiteren Disintermediation entgegenzuwirken.
Voraussetzung dafür ist, eine kundenorientierte Digital-Wallet in die eigenen Kanäle zu integrieren.
So können Banken zentraler Ansprechpartner für digitale Zahlungen bleiben, die direkte Kundenbeziehung stärken und darauf aufbauende Cross-Selling-Potenziale nutzen.
Damit sichern sie ihre Marktposition im digitalen Zahlungsverkehr langfristig.
Digitales Bezahlen wird immer beliebter
- 72%
der Europäer nutzen Mobile Wallets - 34%
der Online-Zahlungen in Europa laufen über PayPal, Apple Pay und Google Pay
Liquiditäts- und Settlement-Wertepotenziale
Der digitale Euro ist so ausgestaltet, dass größere Abflüsse von Bankeinlagen begrenzt und somit Risiken für die Liquidität der Banken reduziert werden sollen. Dafür sind Halteobergrenzen vorgesehen, deren konkrete Höhe aktuell diskutiert wird. Die EZB hat bislang Szenarien mit hypothetischen Halteobergrenzen zwischen 500 und 3.000 Euro pro Person analysiert. Die Ergebnisse zeigen, dass solche Limits Einlagenabflüsse begrenzen und somit zur Finanzstabilität beitragen können.
Darüber hinaus ermöglichen Funding- und Defunding-Prozesse sowie Waterfall- und Reverse-Waterfall-Mechanismen, Geld automatisiert zwischen Bankkonto und Digital-Euro-Wallet zu bewegen. So können beispielsweise Beträge oberhalb der Halteobergrenze automatisch auf das Bankkonto übertragen oder bei einer Zahlung zusätzliche Mittel vom Bankkonto bereitgestellt werden. Für Banken erleichtert dies die Einbindung des digitalen Euro in bestehende Zahlungsprozesse und die Berücksichtigung der entstehenden Geldbewegungen in der Liquiditätssteuerung.
Die frühzeitige Integration des digitalen Euro schafft die Grundlage für neue Erlösquellen.
DIGITALER EURO: WAS JETZT AUF BANKEN ZUKOMMT
3. Was brauchen Sie, um Digital Euro Readiness zu erreichen?
Zur Realisierung der drei zentralen Werthebel müssen Banken die richtigen technologischen, prozessualen und organisatorischen Voraussetzungen schaffen.
Dafür muss jedoch nicht die gesamte Infrastruktur grundlegend neu aufgebaut werden. Entscheidend ist die modulare und minimalinvasive Integration der notwendigen Fähigkeiten in die bestehende Infrastruktur.
Die Anforderungen des Eurosystems betreffen die Bank als Ganzes. Sie reichen von Transaktions- und Kanalinfrastruktur mit Kernbankensystemen, Zahlungsverkehr und Wallets, Treasury und Liquiditätsmanagement bis hin zu Governance-Funktionen wie Compliance, Fraud Management, Risk & Controls und Kundenservice. Somit erfordert die ganzheitliche Vorbereitung auf den digitalen Euro ein Zusammenspiel von Systemen, Prozessen und Betriebsmodell.
Ausgangspunkt ist die angestrebte Rolle der Bank im Digital-Euro-Ökosystem, beispielsweise als Distributor, Acquirer oder in beiden Rollen. Daraus lässt sich ableiten, welche Fähigkeiten benötigt werden und in welchem Umfang bestehende Systeme, Prozesse und das Betriebsmodell angepasst werden müssen. Eine Bestandsaufnahme zeigt anschließend, welche Fähigkeiten bereits vorhanden sind, wo konkrete Lücken bestehen und welche Auswirkungen dies für Bereiche wie Treasury und Compliance oder Kundenprozesse ergeben.
Typische Lücken können in einer statischen Liquiditätssteuerung, fragmentierten Kundenschnittstellen oder funktional getrennten Betriebsmodellen liegen, die noch nicht auf einen durchgängigen 24/7-Betrieb ausgerichtet sind.
So entsteht ein klares Bild darüber, wo Handlungsbedarf besteht und welche Fähigkeiten ergänzt werden müssen.
24/7-Betrieb
Banken müssen ihre Betriebsmodelle auf einen durchgängigen Betrieb ausrichten.
Bereitschaft heißt deshalb nicht, alles neu zu bauen.
Bereitschaft heißt, die richtigen Fähigkeiten kontrolliert anschlussfähig zu machen.
Der Integrationsaufwand lässt sich begrenzen, indem neue Fähigkeiten gezielt in bestehende Systeme und Prozesse integriert werden, statt diese grundlegend zu ersetzen. Ein modularer Ansatz ermöglicht es, Funktionen des digitalen Euro schrittweise in die bestehende Infrastruktur einzubinden und ihr Zusammenspiel übergreifend zu steuern. So können Banken die Anforderungen des Eurosystems umsetzen, ohne ihre Kerninfrastruktur übermäßig zu belasten und gleichzeitig operative Risiken minimieren.
Ebenso ist es nicht erforderlich, dass Banken jede Fähigkeit eigenständig entwickeln. Die Kooperation mit anderen Marktteilnehmern hinsichtlich gemeinsamer Plattformen oder wiederverwendbarer Komponenten kann Implementierungsaufwand und Kosten deutlich reduzieren. Der effizienteste Weg zur Readiness ist somit nicht ein isolierter Neubau, sondern ein klares Zielbild dafür, welche Fähigkeiten benötigt werden, wie sie in das bestehende Betriebsmodell integriert werden und welche davon eigenständig oder gemeinsam mit Partnern bereitgestellt werden.
Der digitale Euro ist weit mehr als eine regulatorische Anforderung – er bildet die Grundlage für neue Ertragsquellen.
DIGITALER EURO: WAS JETZT AUF BANKEN ZUKOMMT
4. Wie Publicis Sapient Sie auf dem Weg zur Readiness unterstützt
Jede Bank startet an einem anderen Ausgangspunkt. Bestehende Systeme, Prozesse und Fähigkeiten unterscheiden sich ebenso wie die angestrebte Rolle im Digital-Euro-Ökosystem. Readiness beginnt daher nicht mit einer allgemeingültigen Vorgehensweise, sondern mit einem klaren Verständnis darüber, welche Fähigkeiten bereits vorhanden sind, welche fehlen und wie die identifizierten Lücken gezielt geschlossen werden können.
Unser Ansatz verbindet hierfür strategische und regulatorische Expertise mit technologischer Umsetzungskompetenz und umfasst zwei aufeinander aufbauende Bausteine:
- 01 Bestimmung des Handlungsbedarfs und Steuerung der Umsetzung
- 02 Modulare Lösungsbausteine zur gezielten und minimalinvasiven Schließung identifizierter Lücken
1. Digital Euro Readiness – Handlungsbedarf bestimmen und Umsetzung steuern
Gemeinsam mit der Bank definieren wir zunächst die angestrebte Rolle im Digital-Euro-Ökosystem und leiten daraus die erforderlichen fachlichen, technologischen und organisatorischen Fähigkeiten ab. Anschließend gleicht eine strukturierte Gap-Analyse das Zielbild mit bestehenden Systemen, Prozessen und dem Betriebsmodell ab. Betrachtet werden dabei unter anderem Kundenservice, Payments, Treasury und Liquidität sowie Compliance, Risk & Controls und Reporting.
Auf dieser Grundlage wird der für das jeweilige Integrationsbedarf entwickelt und anschließend in eine Readiness Roadmap überführt. Dabei übersetzen wir regulatorische Anforderungen und technische Spezifikationen frühzeitig in konkrete Anforderungen für die Bank und berücksichtigen bestehende Transformationsprogramme ebenso wie Pilotvorbereitungen und notwendige Tests. So entsteht ein klarer Weg vom identifizierten Handlungsbedarf bis zur Umsetzung.
2. Modulare Lösungsbausteine – Identifizierte Lücken gezielt schließen
Nicht jede fehlende Fähigkeit muss von Grund auf neu entwickelt werden. Unser Ansatz folgt dem Prinzip, vorhandene Fähigkeiten zu ergänzen, statt bestehende Systeme grundlegend neu aufzubauen.
Wir bringen bereits entwickelte, wiederverwendbare Lösungsbausteine mit. Dazu gehören beispielsweise Merchant Hub, Payments Hub und Gateway für DESP (Digital Euro Service Provider). Diese decken zentrale Funktionen von der Kunden- und Händleranbindung über Payment Processing und Funding bis zur Anbindung an DESP und das Eurosystem ab. Die modularen Lösungsbausteine lassen sich gezielt in die bestehende Banklandschaft integrieren. Dadurch werden Lücken schneller geschlossen, Implementierungsaufwand und -risiken reduziert und Eingriffe in bestehende Systeme, insbesondere in die Kernbankensysteme, begrenzt.
Digital-Euro-Architektur aus Sicht von Banken und Zahlungsdienstleistern
Modularer Aufbau für sichere, skalierbare und regelkonforme Digital-Euro-Integration
- Banksysteme
Kernsysteme, AML, Betrug, Identität, CRM - Händler
Geschäftskunden - Händler-Hub
On-/Offboarding & Händlerportal - Kunden
Endnutzer - Kunden-Hub
On-/Offboarding & App-/Online-Banking - Digital-Euro-Transaktions- & Zahlungs-Hub
Verarbeitung & Abwicklung
Abstraktion der Kernbankensysteme - DESP-Plattform
DESP-Gateway
Isoliert die DESP-Interaktion (Schnittstelle zur Digital-Euro-Plattform) - Sandbox/Testcenter
Sandbox-/Testumgebung für Zahlungsdienstleister und Digital-Euro-Service-Provider (DESP) auf Händler- und Kundenseite - Sicherheit & Konformität
Klare Trennung und kontrollierte Schnittstellen - Skalierbarkeit
Modulare Hubs für Händler und Endkunden - Effizienz
Entkoppelt Bankensysteme von DESP-Komplexität - Kundenorientierung
Nahtlose Onboarding- und Nutzererfahrung
DESP - Digital Euro Service Provider
Der digitale Euro wird nicht über Nacht eingeführt.
Aber auch die Fähigkeiten, die Banken dafür brauchen, entstehen nicht über Nacht.
Jetzt ist der Moment, Architektur, Kundenschnittstellen, Zahlungsprozesse, Liquidität und Betriebsmodell auf die nächste Phase der digitalen Geldinfrastruktur vorzubereiten.
Den digitalen Euro im Kontext Ihrer Bank einordnen
Klären Sie, wo Ihre Bank heute steht. Entscheiden Sie, ob Sie den digitalen Euro als regulatorische Pflicht erfüllen oder als Plattform für Kundennähe, Zahlungsinnovation und neue digitale Geldservices nutzen wollen.
Im Readiness-Workshop prüfen wir gemeinsam, welche Potenziale realistisch sind, welche Voraussetzungen dafür noch fehlen und welche Entscheidungen frühzeitig vorbereitet werden sollten. So entsteht eine fundierte Grundlage für die weitere Planung, von der vertiefenden Gap-Analyse bis zur gezielten Pilotierung.
Contributors
Prof. Dr. Alexander Schroff
Head of Financial Services DACH
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Publicis Sapient, der globale Technologie-Hub der Publicis Groupe, stellt Enterprise-AI-Plattformen und -Services bereit. Mit über 30 Jahren Erfahrung in der digitalen Business Transformation ermöglichen wir es Unternehmenskunden, ihre Arbeitsweisen und die Interaktion mit ihren Kunden grundlegend zu verändern, neuen Mehrwert zu erschließen und in einer KI-getriebenen Welt erfolgreich zu sein. Unsere Plattformen Sapient Slingshot, Sapient Bodhi und Sapient Sustain nutzen KI, die auf diesem tiefen Unternehmenskontext basiert, um Organisationen dabei zu helfen, ihre Legacy-Technologiesysteme zu modernisieren, agentische Lösungen zu entwickeln und ihren IT-Betrieb zu automatisieren. Die Kombination aus unseren KI-Plattformen und der Expertise unserer Mitarbeitenden versetzt uns in die Lage, schneller und effektiver Ergebnisse zu liefern – durch Lösungen, die speziell auf die individuellen Anforderungen der Unternehmen unserer Kunden, ihrer Branchen und ihrer Endkunden zugeschnitten sind. Weitere Informationen finden Sie unter publicissapient.com.